Die fantastischen Vier

Mittwoch, 15. Juni 2011 von Christof

Wie kommt es, dass die Personen, die wir hier sehen, so völlig unterschiedlich auf die Fotografin reagieren?

Macht sie doch mit jedem dasselbe: sie fotografiert sie.

Die Antwort auf diese Frage kann nur in der persönlichen Historie der einzelnen Charaktere liegen.

Der Herr ganz links scheint in sich zu ruhen und durchaus offen, wenn auch durch die zusammen gefalteten Hände etwas geschützt, interessiert zu beobachten, was da gerade passiert.

Der Mann neben ihm ist wohl schon immer ein schüchterner Typ gewesen. Die Knie unsicher einander zugewandt, hat er den verbliebenen Spalt sicherheitshalber noch mit den Händen verschlossen. Die linke Schulter wurde zum Schutz vor dem dominanten Sitznachbarn leicht angehoben.

Und trotz dieser Ganzkörper-Zurückhaltung ist es auf dieser Bank sicherlich er, der den trockensten Humor hat.

Der Schalk, der ihm in Nacken sitzt, ist nur schwerlich zu übersehen.

Die freundliche Dame neben dem Humoristen hat sicherlich ihr Leben lang all die beschwerliche Arbeit ohne Klagen ausgeführt, die man ihr aufgetragen hat. Ihre aufgeräumte Sitzhaltung lässt dies vermuten.

Interessant ist der kleine Widerspruch in ihrer Körpersprache:

Da sie ja fotografiert wird, riskiert sie ein kleines Lächeln, würde vielleicht sogar noch mehr lachen, verbietet es sich aber selbst, wie man an ihrer Arm-Hand-Haltung erkennt:

Ihre rechte Hand – die rationale Hand – hält ihre linke Hand - die Gefühlshand – fest.

Sie verbietet sich selbst ihre Gefühle.

Zu guter Letzt die “Grand Dame” des Dorfes.

Über alles erhaben, sitzt sie mit entspannten Schultern und lockerer Beinhaltung da. Sie hat es nicht mehr nötig, in eine Kamera zu lächeln. Wenn sie etwas oder jemanden nicht mag, dann zeigt sie das auch ganz offen. Sie lässt ihren Gefühlen freien Lauf.

Dies dokumentiert nicht nur ihre wundervolle Mimik, sondern auch ihre linke Gefühlshand, die dominant auf der rechten Hand liegt.

Nun ein kleines Experiment:

Nehmen Sie, die Leser(-innnen)dieser Zeilen, nacheinander die verschiedenen Körperhaltungen der vier gezeigten Personen ein.

Fühlen Sie in jeder Haltung in sich hinein. Was fühlen Sie? Welche Emotion taucht durch welche Körperhaltung auf?

Merken Sie, wie schnell Sie sich genau so fühlen, wie die Damen und Herren auf dem Bild?

Dies ist eines der faszinierensten Eigenschaften der Körpersprache: Emotionen durch Körperhaltungen hervorzurufen!

Thanks a lot to Tanjica for the wonderful picture!

Here is the link to her work: 

http://www.flickr.com/photos/tanjica/

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Ich hasse Lackschuhe!

Mittwoch, 4. Mai 2011 von Christof

Die Mimik des menschlichen Gesichtes ist in der Welt der Säugetiere einzigartig.

Kein anderes Wirbeltier kann so viele Emotionen allein mit seinem Gesicht ausdrücken wie der Homo Sapiens.

Deshalb ist das Gesicht nicht nur der variabelste sondern auch der am bewusstesten zu manipulierende Körperteil.

Diese Tatsache macht das Gesicht  zum unehrlichsten Körperteil des Menschen.

Schön, wenn man mal jemanden sieht, der seinen Gefühlen freien Lauf lässt…

Vielen Dank an meine belgischen Freunde Sonja und Hugo Vanderveken für das einzigartige Bild!

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Lady Di´s Erbe

Donnerstag, 14. April 2011 von Christof

Der junge Musiker, den wir hier sehen, ist dafür bekannt, ohne Rücksicht auf Verluste seinen Launen nachzugehen. Ob er sich selbst oder anderen damit schadet, scheint ihn nicht zu interessieren.

Überraschender Weise wird ihm das nicht nur von der Presse sondern auch von der Frauenwelt immer wieder verziehen. Hier in Deutschland gibt es ein schönes Wort für so jemanden:

Hallodrie.

Also ein Schlawiner, dem man nichts übel nehmen kann.

Und genau das drückt seine Körpersprache aus.

Der schräg gestellte Kopf ist das auffälligste Merkmal, das etwas gekünstelte Lächeln, die zurückgezogenen Arme, die eng am Körper anliegen und das auf das rechte Bein verlagerte Körpergewicht sprechen eine eindeutige Sprache:

“Mich muss man doch einfach gern haben!”

Es gab schon mal eine englische Berühmtheit, die so alle um den Finger gewickelt hat.

Thanx a lot to the photographer Nic, who took that cool picture. Here is the link to his beautiful work:

http://www.flickr.com/photos/nic/

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Mogelpackung

Dienstag, 22. März 2011 von Christof

Am meisten Spaß macht Körpersprache, wenn sie einen Widerspruch offenbart. Also wenn der Körper etwas anderes sagt, als zum Beispiel der am leichtesten von uns selbst zu manipulierende Teil – das Gesicht – verkaufen will.

Auf den ersten Blick würde man über das Mädchen auf dem Bild sagen, dass sie offensichtlich in einem unbeschwerten Moment abgelichtet wurde, lächelt sie  ihr Gegenüber doch recht freundlich an.

Betrachten wir ihre Armhaltung und ihre Hände, kommen wir jedoch nicht umhin, an dieser Beurteilung zu zweifeln.

Die Oberarme hat sie fest an den Körper gedrückt. Ein deutliches Zeichen für Unwohlsein wenn nicht Angst. Wobei das in diesem Fall über das Ziel hinaus schießen dürfte.

Die Unterarme hat sie schützend vor den Körper gebracht, als müsse sie sich verteidigen.

Und ihre Hände widersprechen ihrem Gesichtsausdruck auf so eindeutige Weise, dass es ein Traum ist.

Die rechte Hand ist fern jeder Entspannung und hat den Griff der Tasche so verkrampft umschlossen, dass ihre Knöchel weiß leuchten.

Die linke Hand, die Gefühlshand, hat sie zur Waffe umfunktioniert und “verteidigt” sich gegen den vermeintlichen Angreifer durch Gegenangriff mit dem dominanten Zeigefinger. Dass der Handrücken jede Nähe verhindernd nach oben zeigt, macht das Bild der Ablehnung perfekt.

Und über all dem strahlt ein freundliches Lächeln!

Wir Männer haben es nun wirklich nicht einfach…

Thanx a lot to James Yeung for the perfect catch of the moment!

Here is the link to his work: http://www.flickr.com/photos/jamesyeung/

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Westerwelle, guten Tag.

Donnerstag, 17. März 2011 von Christof

Die eigentliche Frage bei diesem Bild ist:

hätte der Primat seinen linken Arm tiefer gehalten, wenn der Zaun nicht da gewesen wäre?

Ich glaube nicht.

Auf der einen Seite ist er an dem Menschen, von dessen Artgenossen er täglich sein Fressen bekommt, interessiert.

Auf der anderen Seite fühlt er sich von ihm bedroht. Oder besser gesagt, er kann ihm nicht vertrauen.

“Ok, ich probiere es mal mit dir, aber versprich dir nicht zuviel davon.”

Ein sehr deutliches Zeichen für diese gefühlte Bedrohung ist der nicht mehr sichtbare, weil sehr verletzliche Hals.

Die Schulter hat er schützend bis an die Wange hochgezogen.

In perfekter Konsequenz auf sein unsicheres Gefühl  hat das limbische System des Affen also nahezu alle verfügbaren Schutzmechanismen aktiviert.

Als Nächstes bliebe nur noch die Flucht.

Toi toi toi.

Special thanx to “Sharky_MB” on “flickr.com” who gave me the picture!

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Stacheldrahtzaun

Montag, 14. März 2011 von Christof

Wenn man einen Menschen nach seiner Körpersprache beurteilen möchte, ist es wichtig, ihn oder sie nach Möglichkeit erst einmal eine Zeit lang zu studieren.

Dies ist deshalb so wichtig, weil man nur so feststellen kann, welche Bewegungen oder Haltungen von dieser Person häufig benutzt werden und welche eher selten oder nie.

Hat man ein solches “Profil” von seinem Gegenüber erstellt, lässt sich präziser sagen, welches Thema für diese Person angenehm oder unangenehm ist.

In beiden Fällen wird die betrachtete Person dann nonverbale Gesten benutzen, die sie vorher – im entspannten Zustand - nicht gezeigt hat.

Die Haltung der Hände wie wir sie auf dem Foto sehen, wird von vielen tagtäglich sehr häufig benutzt. Zum Teil aus purer Bequemlichkeit.

Deshalb sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Beobachtet man aber jemanden dabei, wie er seine bisher offenen Hände während eines Gespräches plötzlich auf diese Weise verschränkt, sollte man der Sache mehr Aufmerksamkeit schenken.

Wurde im Gespräch ein wunder Punkt getroffen? Ist dem Gegenüber die Frage unangenehm?

Hat man selbst etwas falsch gemacht? Oder gar eine Grenze überschritten?

Wie auch immer. Sicher ist:

Der Gegenüber zieht sich zurück, weil er sich unwohl fühlt.

Die gute Nachricht: die Hände lassen sich durch die entsprechende Gesprächsführung auch wieder öffnen!

In diesem Zusammenhang einen schönen Gruss an meine Studenten der “ifog-Akademie”…

Thanks again to NASEY, the fantastic photographer! Watch his stuff on “flickr”!

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